Rehling eines Schiffs an einer Kaimauer, im Hintergrund der Harburger Binnenhafen mit verschiedenen Hochhäusern

Manuel vor Ort

Schäfchenwolken treiben vor dem blauen Himmel, darunter leuchtet grünes Gras, ein Wassergraben spiegelt das Sonnenlicht. Es ist Ende April, die Brutzeit von Kibitzen und Kranichen hat begonnen, und ich besuche einen meiner Hamburger Lieblingsorte: die Neuländer Moorwiesen. Gemeinsam mit meinem Kollegen, dem Umweltsenator Jens Kerstan, und Harald Köpke vom BUND möchte ich einen großen Erfolg feiern – denn dieses schöne Stück Land im Bezirk Harburg ist bald ein Naturschutzgebiet. Über zehn Jahre haben wir Grüne für diesen Plan gekämpft, nun hat der Senat entschieden, dass 255 Hektar der Neuländer Moorwiesen unter besonderen Schutz gestellt werden. Es ist ein wunderschöner Tag.

Fast wöchentlich bin ich in Hamburg unterwegs, um Menschen zu treffen und Probleme unter die Lupe zu nehmen. Dabei geht es um Kommunalpolitik, um den Alltag in unserer Stadt – aber auch immer wieder um Europa. Und natürlich um die Frage, was das Eine mit dem Anderen verbindet.

Zum Beispiel die Europa-Spaghetti: In meinen Studenten-WG-Zeiten habe ich kochen gelernt, heute nutze ich meine bescheidenen Künste, um mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Alle paar Wochen setze ich in meiner Wohnung einen großen Topf mit Nudeln auf und lade ganz normale Leute aus Hamburg ein, mit mir zu essen. Sie können mir die Fragen stellen, die auf einer Podiumsdiskussion zu kurz kommen, und mir von ihren Sorgen und Wünschen berichten. Es geht locker und persönlich zu, so wie ich es am liebsten mag.

Auch beim Griechenland-Abend in den Räumen des Grünen-Kreisverbands Eimsbüttel stehen persönliche Geschichten im Vordergrund: Kalliopi Brandstäter vom Freundeskreis Ellinikó e.V. berichtet von ihrem engagierten Kampf für die griechische Gesundheitsversorgung im Schatten der Schuldenkrise. Danach gibt es Kalamata-Oliven, gute Gespräche und dunklen Wein.

Wenn ich mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch komme, ergibt sich immer etwas Neues: Durch Anregungen und Vorschläge werde ich auf Themen aufmerksam gemacht, die im parlamentarischen Alltag manchmal untergehen. Und meine Gesprächspartner in den Stadtteilen bekommen einen Einblick in meine Arbeit und eine Ahnung dafür, wie unterschiedlich mitunter die Interessen sind, die man als Abgeordneter vertreten muss.

Auf dem Altonaer Balkon schweift der Blick über Kräne und Ozeanriesen, im Rücken liegt das Altonaer Rathaus, das einst ein Bahnhof war. Hier, wo Hamburgs Geschichte und Zukunft aufeinandertreffen, beginnt einer meiner Stadtrundgänge. Mal kommen fünf, mal fünfzig Bürgerinnen und Bürger, mit denen ich dann gemütlich durch ein Viertel streife und über Politik spreche – im Großen und im Kleinen. Die Eurokrise kommt dabei ebenso zur Sprache wie persönliche Krisen oder steigende Mietpreise. Wenn wir dann an einer Bahntrasse über moderne Verkehrspolitik diskutieren oder vor einer Bankfiliale Finanzskandale zerpflücken, bin ich ganz in meinem Element. Denn Politik soll greifbar sein, für die Menschen in der Stadt genauso wie für ihre Vertreter im Parlament. Und ob Stadtrundgang oder Nudelessen – am Ende eines Termins ist mein Notizblock voll mit neuen Anregungen. So nehme ich immer frisches Futter mit nach Berlin.