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European Games: Bundesregierung muss Achtung der Menschenrechte einfordern

Anlässlich der Eröffnung der European Games am 21. Juni 2019 in Minsk erklären Manuel Sarrazin, Sprecher für Osteuropapolitik, und Monika Lazar, Sprecherin für Sportpolitik:

Dass die European Games ausgerechnet in Belarus stattfinden, verhöhnt die Opfer des autokratischen Regimes unter Lukaschenka. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Todesurteil vollstreckt. Presse- und Meinungsfreiheit sind massiv eingeschränkt und Opposition und zivilgesellschaftliches Engagement weitgehend unterdrückt. Menschenrechtsrechtsorganisationen warnen vor Massenverhaftungen und Verschleppung von Obdachlosen vor und während der Wettkämpfe.

Auch Regierungsvertreter und Bundestagsabgeordnete werden nach Minsk reisen. Mit ihrer Präsenz riskieren sie, einen Autokraten zu adeln, der die internationale Präsenz für seine Profilierung nutzen wird. Wer trotzdem unbedingt hinreisen will, muss mindestens auch den Kontakt zur organisierten Zivilgesellschaft suchen und lautstark die Achtung von Menschenrechten einfordern.

Völkerverständigung als Ziel von internationalen Sportereignissen wird zur Farce, wenn sie in Staaten stattfinden, die im Inneren und nach Außen auf Repression und Abschottung setzen. Dass weiterhin Sportgroßveranstaltungen in autokratischen Regimen stattfinden, zeigt den immer noch bestehenden Reformbedarf der Vergabepolitik der Sportverbände. Die Europaspiele fanden bisher ausschließlich in autoritären Staaten statt, das sollte dem Europäischen Olympischen Komitee (EOC) zu denken geben. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hätte sich bei der Vergabeentscheidung deutlicher positionieren müssen: Er enthielt sich der Stimme, während Norwegen und Dänemark gegen die Spiele in Minsk stimmten. Ausdrücklich begrüßen wir den geplanten Besuch der deutschen Delegation in Chatyn, dem zentralen Erinnerungsort der Republik Belarus für alle Opfer des nationalsozialistischen Genozids während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg.