Liliana Tanguy (Mitglied der Assemblée nationale für LREM) und Manuel Sarrazin (MdB, B'90/Grüne) in der Fertigungshalle des A320 in Hamburg-Finkenwerder

"Liliana Tanguy (Mitglied der Assemblée nationale für LREM) und Manuel Sarrazin (MdB, B'90/Grüne) in der Fertigungshalle des A320 in Hamburg-Finkenwerder" CC-BY-NC-ND 2.0 Manuel Sarrazin

L’amitié franco-allemande – Besuch der französischen Abgeordneten Liliana Tanguy

Im Rahmen eines Deutsch-französischen Parlamentarier*innenaustausches, besuchte am vergangenen Wochenende Liliana Tanguy, Abgeordnete von La République En Marche, meinen Wahlkreis.

ParlamentarierInnenaustausch mit der Assemblée Nationale
Der Austausch wurde durch den Think Tank „Das Progressive Zentrum“ initiiert und soll mit seiner Gestaltung einer innereuropäischen Kooperation zwischen den Parlamenten befördern. Liliana Tanguys Wahlkreis ist Finistère in der Bretagne. Sie Vizevorsitzende des EU-Ausschusses der Assemblée Nationale und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. Zudem ist sie Vizepräsidentin einer Studiengruppe zur Maritimen Wirtschaft in der Assemblée und Mitglied in jeweils der französisch-mazedonischen, französisch-serbischen, französisch-kroatischen, französisch-bosnisch-herzegowinischen Parlamentariergruppe.

Im Bundestag gehöre ich sowohl dem Auswärtigen Ausschuss, als auch dem Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union an. Seit kurzem bin ich Sprecher für Osteuropapolitik innerhalb der Grünen Bundestagsfraktion und unter anderem zuständig für die Länder des Westbalkans. Es bestehen somit starke, inhaltliche Parallelen in unserer Arbeit, weshalb ich mich sehr freute, Tandempartner für Frau Tanguy sein zu können.

Da sie als Abgeordnete aus der Bretagne und Vorsitzende der Studiengruppe zur Maritimen Wirtschaft sehr interessiert an Themen ist, die den Hafen betreffen, fokussierten wir uns während ihres Besuches vornehmlich darauf und trafen verschiedene Akteure aus diesem Bereich. So besuchten wir etwa das am Köhlbrand gelegene Container Terminal Altenwerder, das eines der weltweit modernsten ist und in dem weitgehend automatisiert gearbeitet wird. Ein Gespräch mit dem Direktor des Fraunhofer Centre for Maritime Logistics an der TU Hamburg verdeutlichte die enormen Potentiale der Digitalisierung in der Container- und Schiffsabfertigung. Hier kann eine europaweite Zusammenarbeit und Standardisierung zu Zeit- und Energieersparnissen führen. Mehr europaweite Kooperation wäre auch im Sinne der europäischen Ship Registry, berichtete uns Euromar, da sich die europäische Flagge gegen die größten weltweiten Flaggen wie beispielsweise Liberia oder Panama behaupten muss.

Wie europäisch die Hamburgische Wertschöpfung ist, zeigte ein Besuch bei Airbus: Die Einzelteile, aus denen der A380 gebaut wird, stammen aus Frankreich, Deutschland, Spanien und – Großbritannien. Der Brexit als Paradebeispiel nationalstaatlichen Denkens, wird sich also auch hier noch bemerkbar machen und die Hamburger Wirtschaft vor neue Herausforderungen stellen, wenn das Vereinigte Königreich aus der Wirtschafts- und Zollunion ausscheidet.

Zu den starken Akteuren der Zivilgesellschaft im Bereich Umweltschutz zählt der NaBu. Erhöht die Elbvertiefung die Gefahr von Sturmfluten? Bedroht die Versalzung der Elbe den Obstbau im Alten Land? Und ist diese, achte Fahrrinnenanpassung die letzte? Während frisch gefangener Stint aus der Elbe aufgetischt wurde, wurde die Expertise des NaBu zu diesem Themenkomplex sehr geschätzt.

Bei einem Besuch desMuseumshafens Övelgönne konnte die besondere Geschichte des Hamburger Hafens lerlebt werden. Port of Hamburg Marketing zeigte unseren Gästen den Hafen auf einer Hafenrundfahrt.

Europa ist in Hamburg und im Hafen allgegenwärtig. Es zu bewahren, zu stärken und für die Zukunft zu wappnen ist das, worum es mir geht, ist der Kern meiner Arbeit. Die europäische Idee ist es, Frieden, Demokratie und Rechtstaatlichkeit auf dem gesamten Kontinent zu schaffen. Dazu ist es zwingend erforderlich, dass die EU den Staaten des Westbalkans eine ehrliche Beitrittsperspektive anbietet, die natürlich an die Erfüllung von Beitrittskriterien geknüpft sein muss. Es ist äußerst sinnvoll, dass sich die pro-europäischen Fraktionen hier transnational vernetzen und sich gemeinsam engagieren. Austauschveranstaltungen, wie dieser deutsch-französische Parlamentarier*innenaustausch, sind in Zeiten wachsenden Nationalismus in Europa wichtiger denn je: Mehr und mehr Herausforderungen ist nicht mehr auf nationalstaatlicher Ebene zu begegnen. Europäischer Zusammenhalt ist dafür unerlässlich und persönliche Beziehungen stärken diesen.