Veranstaltungsbericht: Radverkehr in Harburg: Auf, neben – unter der Straße?

Matthias Gastel erinnern die Harburger Berge an seine Heimat in der Nähe von Stuttgart. Für alle Harburger Alltagsradlerinnen und -radler ist es eine sportliche Herausforderung. Nicht umsonst strampeln bei den Cyclassics hier alle für die Bergwertung.
Matthias ist seit 2013 MdB und Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages. Seitdem die Hamburger GRÜNEN im April 2015 ein ambitioniertes Programm zur Radverkehrförderung in den rot-grünen Koalitionsvertrag geschrieben haben, hat sich Matthias vorgenommen, sich die Entwicklung vor Ort anzuschauen. Manuel lud ihn gerne nach Hamburg ein. So kam eine bunte und hochrangige Gruppe am Montag Mittag zum Fachgespräch Radverkehr in Harburg zusammen.

Kirsten Pfaue, seit September 2015 Radverkehrskoordinatorin des Senats, stellte den aktuellen Stand des Veloroutennetzes und des Bündnisses für den Radverkehr vor. Martin Bill, verkehrspolitischer Sprecher der GRÜNEN Bürgerschaftsfraktion, lobte die Harburger GRÜNEN: „Die GRÜNEN hier vor Ort haben 2008 als erster Bezirk ein ausgearbeitetes bezirkliches Radverkehrskonzept vorgelegt. Das war Vorbild für viele Bezirke“. Die Velorouten, die nun angegangen werden, bauen darauf auf und bilden ein starkes und zeitgenössisches Rückgrat der Rad-Infrastruktur. Für den Landkreis Harburg und die gesamte Metropolregion sei eine gute Anbindung wichtig. „Pendler aus dem Umland, die aufs Rad umsteigen, könnten den Verkehr in Harburg zusätzlich entlasten“, so Karina Kressel von den GRÜNEN Seevetal.

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Das Thema „Tempo 30 in der Heimfelder Straße“ bot ein Paradebeispiel für die Arbeit aller politischen Ebenen in Deutschland: Der ADFC Hamburg, vertreten durch die stellv. Landesvorsitzende Susanne Elfferding, setzt sich wortwörtlich auf der Straße für mehr Tempo 30 ein. GRÜNE Bezirkspolitiker organisieren seit Jahren zusammen mit Bürgerinitiativen wie „Verkehrssicherheit Heimfeld“ politische Mehrheiten, die aber häufig an der Polizei scheitern. Die GRÜNE Bürgerschaftsfraktion kämpft seit Jahren für eine Anbindung der unteren Straßenverkehrsbehörde an die Bezirksämter statt an die Innenbehörde. Und zu guter kritisierte Matthias und die GRÜNE Bundestagsfraktion im Februar diesen Jahres die Regierungsfraktionen für ihr Zögern beim Ändern der StVO zugunsten von Tempo-30-Zonen. „Der Bund plant weiterhin sehr restriktiv: maximal 300m lange Abschnitte, nur vor Schulen oder Altersheimen, nur in den Öffnungszeiten – es droht ein Schilderwald!“, so Matthias Gastel.

Als Hamburger Bundestagsabgeordneter blickt Manuel auf eine wachsende Stadt. Die Bevölkerung von Hamburg-Neugraben wird in den nächsten Jahren durch die IBA-Projekte „Naturnahes Wohnen“ um 15.000 Menschen wachsen. Finkenwerder ist ein wichtiges Ziel – insbesondere wegen des Fähranlegers. „Wer im Raum Süderelbe wohnt soll sich darauf verlassen können, einen Platz auf den HADAG-Fähren zu bekommen – am besten auch mit dem Fahrrad.“, so Manuel Sarrazin.

Zehn neue, tideunabhägige Fähren für die HADAG? Eine neue Querung der Süderelbe mit angehängter Fahrradbrücke? Das mag heute noch als Utopie der Radverkehrsförderung scheinen. Aber die GRÜNEN haben schon immer so lange für Utopien gekämpft bis sie Realität wurden.

Am Nachmittag ging es dann weiter zu einer Radtour rund um die Alster.

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