Südtor der Harburger Elbbrücke mit zwei Turmspitzen, dahinter die Stahlbögen der Brücke

Gespräch mit Vattenfall: Mehr Klarheit zu Atommüll, nicht aber zu Krümmel-Ende

Wie geht es weiter mit dem vorerst abgeschalteten Atomkraftwerk Krümmel? Was passiert mit dem Atommüll und wer kommt für die immensen Altlasten auf? Diese Fragen stellen sich in ganz Europa, besonders aber in und um Geesthacht mit seinem AKW und Forschungsreaktor.

Die grünen Wahlkreisabgeordneten aus Bergedorf-Harburg und Herzogtum Lauenburg, Manuel Sarrazin und Konstantin von Notz, setzten daher ihre Vor-Ort-Gespräche am 29. April in Krümmel fort. Nach ihrem letztjährigen Besuch im Helmholtz-Zentrum trafen sie nun gemeinsam mit grünen Kommunalpolitikern Vertreter von Vattenfall, um dieses dringliche Problem für die Region konkret zu diskutieren. „Wir hatten ein gutes, intensives Gespräch in einer durchaus sachlich-konstruktiven Atmosphäre“, erklärte der Möllner Bundestagsabgeordnete von Notz. „Sicherlich haben wir immer noch unterschiedliche Perspektiven auf diese Risikotechnologie, aber in mehreren Punkten nun immerhin etwas mehr Klarheit für die Region bekommen“, so von Notz.

Gruppenbild Gespräch Vattenfall Besucherzentrum Krümmel 29-04-14_c von-notz.de

Die grüne Besuchergruppe u.a. mit Pieter Wachsmuth, Generalbevollmächtigter Vattenfall Norddeutschland und Werksleiter Torsten Fricke.

 

„Die Atommüll-Lagerung hat man hier anders als in Brunsbüttel offenbar im Griff – wo er aber später hin soll und wer dafür aufkommt, ist weiterhin unklar“, betonte die Geesthachter Stadtvertreterin Bettina Boll mit Blick auf den Skandal um rostende Atomfässer in Brunsbüttel. Schon vor zwei Jahren hatten die beiden Bundestagsabgeordneten in einem detaillierten Fragenkatalog Vattenfall um Aufklärung für die weitgehend baugleichen AKWs gebeten und nun abermals nachgehakt. Demnach hat die zwischenzeitliche Überprüfung aller Müll-Behältnisse in Krümmel weder Rostschäden noch Strahlenüberschreitungen ergeben.

 

Gruppenbild grüne TN Gespräch Vattenfall 29-04-14

Diskutierten mit Vattenfall vor Ort: K. Tormälen (Kreistagsfraktion), B.Boll (Ratsfraktion Geesthacht), M. Sarrazin MdB (Bergedorf-Harburg), K. v. Notz MdB (Hzgt. Lauenburg); v.l.n.r.

 

Weniger zufrieden zeigte sich die grüne Besuchergruppe mit den Auskünften zur Zukunft des AKW. „Uns konnte zwar glaubhaft versichert werden, dass man den derzeit geltenden Atomausstieg hier vor Ort umsetzt, mehr aber auch nicht. Leider unternimmt Vattenfall weder rechtlich noch technisch eindeutige Schritte für eine endgültige Stilllegung. Vielleicht behält sich Vattenfall das AKW sogar als eine Art Faustpfand“, kritisiert der Hamburger Europapolitiker Manuel Sarrazin. So wird beispielsweise die neue Turbine weiterhin betriebsbereit gehalten.

„Noch immer haben die Menschen in der Region keine Gewissheit, was mit dem AKW und Atommüll vor ihrer Haustür geschieht. Dabei zeigt das Helmholtz-Zentrum, dass eine verbindlichere und transparente Diskussion um einen Reaktor-Rückbau unter Beteiligung der Anwohnerschaft sehr wohl möglich ist“, mahnte Bettina Boll an.

Zudem laufen derzeit noch Entschädigungsverfahren gegen Deutschland, nachdem die schwarz-gelbe Bundesregierung erst den rot-grünen Kompromiss mit den Betreibern aufgelöst hatte, um dann nach Fukushima umso hektischer AKWs wie Krümmel abzuschalten. „Dieser atompolitische Zick-Zack-Kurs unter Angela Merkel hat selbst in der Atomwirtschaft für mehr Kopfschütteln gesorgt, als die immerhin rechtsklare Ausstiegsperspektive unter Rot-Grün“, resümiert Konstantin von Notz: „Nun gibt es immer noch kein klares Ende für Krümmel und der deutsche Steuerzahler droht mit Milliarden dafür aufkommen zu müssen.“

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