Bericht: Rundgang – Harburg im Nationalsozialismus

Am 18. August 2013 hat Manuel Sarrazin zu einem Rundgang auf den Spuren des Nationalsozialismus in Harburg eingeladen.

Frank Lehmann vom Landesjugendring Hamburg e.V. begann den Rundgang vor dem Harburger Rathaus mit einigen einführenden Hinweisen. Die preußische Großstadt Harburg-Wilhelmsburg, im Jahr 1937 durch das Groß-Hamburg-Gesetz nach Hamburg eingemeindet, war zum großen Teil eine Industriestadt mit starken Arbeiterbewegungen. Ähnlich wie im (bis 1937) ebenfalls preußischen Altona hatte es die NSDAP daher Anfangs schwer, ihre Macht zu festigen. Nichtsdestoweniger ereigneten sich aber auch in Harburg die Machtergreifung, die Zerschlagung der Arbeiterbewegung, die Judenverfolgung und die Zerstörung der Innenstadt im zweiten Weltkrieg. So wurde im Jahr 1933 die Hakenkreuzfahne auf dem Rathausplatz gehisst.

Die nächste Station des Rundgangs führte zu zwei Denkmälern, welche unweit des Rathauses direkt nebeneinander liegen. Eines der Denkmäler zeigt einen verwundeten Soldaten und symbolisiert die sogenannte Dolchstoßlegende bzw. Dolchstoßlüge, die von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde und wonach u.a. die Sozialdemokratie für die Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich sei. Manuel Sarrazin ergänzte die Erläuterungen von Frank Lehmann mit dem Hinweis, dass insbesondere der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg die Dolchstoßlüge salonfähig gemacht habe. Die GRÜNEN in Hamburg setzen sich dafür ein, dass Hindenburg die Ehrenbürgerwürde der Stadt Hamburg aberkannt wird. Das zweite der Denkmäler, welches sich auch gegen das Kriegsdenkmal zur Dolchstoßlegende wendet, zeigt ein trauerndes Kind und symbolisiert die Sinnlosigkeit von Kriegen.

Weitere Stationen des Rundganges umfassten die ehemalige Synagoge von Harburg und den jüdischen Friedhof in Heimfeld. 1862 begann der Bau der Synagoge, welche in den 1920er Jahren etwa 350 jüdischen Harburger/innen als religiöse Stätte diente. Im Zuge der Reichpogromnacht verwüstete die SA die Synagoge, an die heute nur ein Mahnmal erinnert. Wie in anderen Teilen Deutschlands auch wurden Jüdinnen und Juden in Harburg   systematisch entrechtet, verfolgt, deportiert und ermordet. Die Deportationen begannen im Jahr 1941 und führten u.a. nach Lodz (“Ghetto Litzmannstadt”) und in die Vernichtungslager in Osteuropa. Lehmann wies darauf hin, dass es jüdische Harburger/innen z.B. ab 1935 im Zuge der sogenannten Nürnberger Rassengesetze verboten war, die Pafrkbänke zu nutzen. Ab 1936 durften sie kein Telefon und ab 1937 kein Telefon mehr benutzen.

Frank Lehmann und die Teilnehmenden des Rundgangs waren sich einig, dass in Harburg einige positive Projekte zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus gibt, doch viele  Denkmäler und Mahnmale entweder unvollständige Informationen bieten oder ganz fehlen. Als Beispiel zeigte Lehmann den Brunnen am Sande, welcher in den 80er Jahren errichtet wurde. Dort werden verschiedene Stationen der Lokalgeschichte in Harburg dokumentiert; ein Hinweis auf den Nationalsozialismus fehlt. Auch die Arbeiterbewegung und die Verfolgung von politisch Andersdenkenden wird nicht ausreichend erinnert.

Manuel Sarrazin dankte daher Frank Lehmann für den informativen Rundgang, der die Geschichte von Harburg im Nationalsozialismus vor Augen führte.

 

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