Gastkommentar: Solidarität mit Griechenland (Braunschweiger Zeitung)

Ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion würde keine Probleme lösen. Im Gegenteil: ein Austritt hätte enorme politische Probleme und unberechenbare Kosten zur Folge – nicht nur für Griechenland.

 

Wer Griechenland aufgibt, befördert die Desintegration Europas und riskiert die Stabilität in der Region. Das ist der falsche Weg! Die Europäische Integration bleibt eine historische Errungenschaft, die keinesfalls aufs Spiel gesetzt werden darf. Populistische Forderungen nach dem Austritt Griechenlands aus dem Euro verkennen diese Errungenschaft. Gerade in Zeiten der Krise brauchen wir ein starkes Europa.

 

Griechenland zu helfen ist somit Gebot europäischer Solidarität. Aber nicht nur das. Griechenland muss auch aus ökonomischer Vernunft Mitglied der Euro-Zone bleiben. Ein Austritt würde die Eurozone und damit insbesondere Deutschland ein Vielfaches der bis jetzt geplanten und geleisteten Hilfen kosten. Zu glauben, dass mit einem Austritt ein klarer Schnitt und das Ende aller Hilfen erfolgen würde, ist schlichtweg naiv. Zu sehr sind vor allem Euro-Staaten wegen ihrer gemeinsamen Geldpolitik miteinander verwoben. Die Rückkehr zur Drachme würde aufgrund einer massiven Abwertung nicht nur die Verschuldung in Griechenland in immense Höhen treiben, sondern zwangsläufig auch zu Ausfällen bei den Notenbanken -auch der Bundesbank- und der Europäischen Zentralbank führen.

Zudem drohten unkalkulierbare Ansteckungseffekte, die auch andere Staaten schnell in schwerste Probleme bringen könnten. Oder was würden Sie als Portugiese tun, wenn Sie erfahren würden, dass griechische Sparguthaben in nahezu wertlose Drachme umgetauscht worden sind? Wenn aber im großen Stil Geld abgehoben oder ins Ausland transferiert wird, droht den Banken die Pleite und damit der Wirtschaft eine tiefe Rezession. Dass in solch einer Situation Kredite noch zurückgezahlt werden können, ist gänzlich unwahrscheinlich.

 

Auch aus diesem Grund muss Griechenland dringend aus seiner Rezession herauskommen. Das Land braucht eine wirtschaftliche Belebung. Klar ist: An einer Konsolidierung des Haushaltes kommt Griechenland nicht vorbei. Aber allein auf reine Spar-Politik zu setzen, ist falsch. Grundvoraussetzung für einen möglichen Aufschwung der griechischen Wirtschaft ist ein unmissverständliches Bekenntnis der Eurozone, dass das Land Euro-Mitglied bleiben wird. Ohne dieses Bekenntnis wird kein Investor in Griechenland Geld investieren wollen.

 

Gerade in Zeiten der Krise müssen die EU-Mitgliedstaaten einmal mehr beweisen, dass europäische Solidarität keine Worthülse ist. Für Europa und große Teile der griechischen Bevölkerung wäre ein Austritt Griechenlands aus dem Euro mit verheerenden und unkalkulierbaren Folgen verbunden. Wir müssen mit aller Macht und Gestaltungswillen eine dann drohende verlorene Generation verhindern!

 

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung)

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