Bericht: Verkehrsprojekte im Hamburger Süden (Bürgerinnen- und Bürgersprechstunde)

Für viele Menschen in Hamburgs Süden ist der Verkehr ein zentrales Problem: Seien es die LKWs, die tags und nachts vor dem Fenster vorbeifahren, sei es die überfüllte S-Bahn Richtung Stade, seien es die Fahrzeuge, die sich leider nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten… Trotz einiger Lösungen in den vergangenen Jahren gibt es noch viele Projekte, deren weiterer Verlauf kritisch begleitet wird. 

Im Kreisbüro der GAL-Harburg diskutierten daher etwa 25 Anwohner/innen und Politiker/innen gemeinsam über Probleme und mögliche Lösungen. Unter den Gästen waren Vertreter/innen des „Runden Tisches Moorburg“, welche den Prozess der Hafenquerspange kritisch begleiten und Mitglieder der „Engagierten Harburger“, oftmals Anwohner/innen der von Verkehrslärm und -schmutz betroffenen Bremer Straße. Sie und weitere Interessierte diskutierten mit Manuel Sarrazin (Mitglied des Deutschen Bundestag für die Wahlkreise Harburg, Bergedorf, Wilhelmsburg), Ronald Preuß (Vorsitzender der Bezirksfraktion der GAL Harburg) und Ruth Alpers (Grüne Fraktionsvorsitzende im Kreistag Harburg Land) und weiteren Mitgliedern der GAL Harburg.

Im Vordergrund stand zunächst eine praktikable Lösung für die zunehmend von LKWs befahrende Bremer Straße – ein Nachtfahrverbot wurde ebenso gefordert wie die Senkung der Höchstgeschwindigkeit und „intelligente Ampeln“, die ein zu schnelles Fahren mit Ampelwartezeit strafen. Im regen Austausch wurden weitere verkehrspolitische Ideen ausgetauscht und festgehalten, dass ein von den Anwohner/innen befürchteter durchgehender Ausbau zu vier Fahrstreifen immerhin nicht geplant sei.

Ebenfalls im Fokus befand sich der Stand der Planung der Hafenquerspange: Diese soll die A 1 (Lübeck-Bremen) mit der A 7 (Flensburg-Hannover) verbinden und so den Ost-West-Verkehr bündeln. Der Hamburger Hafen könnte so besser erreicht werden und die Wohnquartiere sollen durch eine Verminderung der Lärm- und Schadstoffbelastung entlastet werden, insbesondere Wilhelmsburg und die B 73 in Harburg. Die genaue Realisierung und inbesondere die Finanzierung sind nicht endgültig geklärt, die Befürchtungen der Südhamburger/innen würden aber, wie Manuel Sarrazin und Roland Preuß bestärkten, in den Prozess aufgenommen werden.

Kontrovers wurde die Zukunft der Wilhelmsburger Reichsstraße diskutiert. „Wir haben gerechtfertigte Hoffnungen, dass es für die Anwohnerinnen und Anwohner östlich der Bahnlinie durch einen verbesserten Lärmschutz ruhiger werden wird.“, erklärt Manuel Sarrazin seine Zustimmung zu Projekt der Wilhelmsburger Reichstraße. Auch, wenn er die Befürchtungen der Menschen im Hamburger Süden nachvollziehen könne, so sehe er für Wilhelmsburg auch große Chancen: „Die Lebensqualität wird sich für die Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburger verbessern. Der Lärmschutz ist aufgrund gesetzlicher Bestimmungen integraler Bestandteil des Projektes.“ Die GAL fordert die Sicherstellung des vollständigen Lärmschutzes; diese haben die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg (BSU)  und die Deutsche Bahn zugesagt.

Ruth Alpers, grüne Fraktionsvorsitzende im Kreistag Harburg Land, sieht ein großes Problem in den oft konträren Interessen der Wirtschaft auf der einen und denen der Anwohner/innen auf der anderen Seite. Einfache Lösungen gäbe es nicht, sie selbst würde aber eine Verlagerung z.B. der Hafenwirtschaft begrüßen. Eine Kooperation der regionalen Häfen solle weiter gefordert werden.

Letztlich sei es besonders wichtig, die Fahrradwege weiter auszubauen, den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen und möglichst viel Wirtschaftsverkehr auf die Schiene zu bringen und damit die LKWs aus den Wohngebieten zu verbannen, so Manuel Sarrazin. Nur so würde die Gesundheit der Menschen verbessert, die Umwelt weniger verschmutzt und das Verkehrssystem im Hamburger Süden zukunftsfähig gemacht werden. Für ein Gesamtverkehrskonzept, welches diese Forderungen einbezieht, werden sich die grünen Vertreterinnen und Vertreter im Bundestag, in der Bezirksversammlung und vor Ort weiterhin einsetzen und wollen die Zusammenarbeit mit Bürger/innen und Vereinen fortsetzen.

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