Ecke des Reichstagsgebäudes im Abendlicht vor blauem Hintergrund

Heroin auf Rezept für Schwerstabhängige – der Bundestag gibt das richtige Signal!

Zur Verabschiedung des Gesetzentwurfs zur diamorphingestützten Substitutionsbehandlung erklären Krista Sager MdB und stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Manuel Sarrazin MdB und Linda Heitmann, gesundheits- und drogenpolitische Sprecherin der Gal-Bürgerschaftsfraktion:


Der Bundestag gibt das richtige Signal, um Schwerstabhängige mit dem Ersatzstoff Diamorphin zu behandeln. Nun kann Diamorphin in die gesundheitliche Regelversorgung aufgenommen und als verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel eingestuft werden. Hamburger Schwerstabhängige haben nun die Perspektive auf Sicherheit über ihre Therapiemöglichkeiten. Schade nur, dass die Bundes-CDU sich bis auf einzelne Abgeordnete nicht dazu durchringen konnte, die Diamorphin-Therapie zu unterstützen.
Die Diamorphin-Therapie eröffnet Schwerstabhängigen, bei denen andere Behandlungsmethoden erfolglos waren, wieder die Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Sie ist daher eine wichtige Alternative zu anderen Therapien. Das Hamburger Modellprojekt und die Heroinstudie zeigen: Schwerstabhängige, denen das synthetische Heroin Diamorphin verschrieben wurde, wurden weniger häufig rückfällig als PatientInnen, die mit dem Ersatzstoff Methadon behandelt wurden. Auch der Gesundheitszustand der Abhängigen hatte sich nach einem Jahr gebessert. Die Diamorphin-Therapie hilft auf diese Weise Schwerstabhängigen und senkt Kosten. Entlastet werden die Haushalte von Ländern und Kommunen sowie die gesetzlichen Krankenkassen und Rentenversicherungsträger von den Kosten wiederholter, aber letztendlich erfolgloser, Suchthilfemaßnahmen.
Hintergrund:
Die Ergebnisse der Arzneimittelstudie „Das bundesdeutsche Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger – eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Therapiestudie“ sprechen dafür, eine Behandlung mit Diamorphin für eine klar begrenzte Zielgruppe Opiatabhängiger zu ermöglichen. Zielgruppe sind Schwerstabhängige, bei denen eine herkömmliche Substitutionsbehandlung nicht erfolgreich verläuft oder die von anderen Maßnahmen der Suchtbehandlung gar nicht mehr erreicht werden.
Seit 2002 wird Diamorphin, ein synthetisches Heroin, in einem bundesweiten Modellprojekt in sieben Städten an Schwerstabhängige gegeben. Die Rückfallquote war geringer, als bei der Behandlung mit dem Ersatzstoff Methadon.
Der Gesetzentwurf von Abgeordneten von SPD, Grünen, FDP und Linken erhielt 349 Ja-Stimmen bei 198 Gegenstimmen und drei Enthaltungen.
Das Abstimmungsverhalten der Hamburger Bundestagsabgeordneten sowie das aller weiteren MdBs finden Sie in der angehängten Tabelle.