St. Petersburg: Soldatenmütter kämpfen für grundlegende Menschenrechte

Die „Union der Komitees der Soldatenmütter Russlands“, kurz: „Soldatenmütter“, wurde 1989 als nichtstaatliche Menschenrechtsorganisation mit Hauptsitz in St. Petersburg gegründet.

 

 

Die Mitglieder der Organisation sind Angehörige von Militärpersonen, vor allem Mütter junger Soldaten. Die Organisation arbeitet mit vielen anderen internationalen NGOs zusammen. Ein ausschlaggebender Grund, weshalb die „Soldatenmütter“ gegründet wurden, ist die „Dedowschtschina“ in der russischen Armee. Unter diesem russischen Begriff, der übersetzt so viel wie „Herrschaft der Großväter“ bedeutet, versteht man die Schikanierung junger Soldaten durch ältere. Diese umfasst schwere körperliche und psychische Misshandlung, unter anderem Vergewaltigung; in vielen Fällen mit tödlichen Folgen. Oft werden die jungen Soldaten auch zur Männerprostitution gezwungen. Das meiste des dadurch verdienten Geldes wird ihnen von den älteren Soldaten abgenommen. Im letzten Jahr kam es vermehrt zu unaufgeklärten Todesfällen. Die Soldatenmütter gehen von bis zu 3000 jungen Männern aus, die außerhalb von Kampfhandlungen ums Leben gekommen sind. Die „Soldatenmütter“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Situation in der russischen Armee genau zu untersuchen und sich um die Missstände zu kümmern. Sie wollen so in Aktion treten, und so dazu beitragen, dass sich auch die russische Staatsanwaltschaft des Themas annimmt. Diese weiß zwar um die Missstände rund um die „Dedowschtschina“, hält sich aber laut russischer Menschenrechtler auffällig stark mit unabhängigen Untersuchungen und objektiven Verfahren zurück. Des weitern suchen die „Soldatenmütter“ auch nach im Krieg verschollenen Soldaten, klären Fälle des Verschwindens auf und dokumentieren Kriegsereignisse. Nach Kämpfen suchen sie nach Überresten ihrer Söhne und Freunde. Um auf konkrete Fälle und Probleme aufmerksam zu werden, veranstaltet die Organisation Beratungstreffen, bei denen alle betroffenen Bürger oder Angehörige kommen können, um ihren Fall darzulegen. Die „Soldatenmütter wollen die Bürger bei diesen Treffen auf ihre Rechte aufmerksam machen und sie dazu bewegen, diese auch einzufordern und zu verteidigen. Es geht um die Einklagung der Menschenrechte, die selbstverständlich auch in der russischen Armee ihre Gültigkeit haben. Immer wieder aber geraten die Soldatenmütter in Konflikt mit der russischen Regierung der die Arbeit der zivilgesellschaftlichen Menschenrechtler ein Dorn im Auge zu sein scheint. So wurde  beispielsweise auch ein friedlicher „Marsch des Mitgefühls“ der Soldatenmütter von Moskau in die tschetschenische Hauptstadt Grosny gewaltsam unterbunden. Die Hamburger GAL und die GAL Bürgerschaftsfraktion halten enge Kontakte zu den Soldatenmüttern und versuchen, wo es geht, zu vermitteln und Unterstützung für die Arbeit in St. Petersburg zu geben. Quellen:          www.amnesty-international.deMilitärische Implikationen des Georgienkrieges, In: www.swp-berlin.org

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